Posts mit dem Label Sicherheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sicherheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

20120423

Tödliche Unfälle bei Liegegurten vermeiden

source: Stefan Ungemach

Aus aktuellem Anlass:
Wieder ist ein Pilot durch nicht geschlossene Beinschlaufen in einem Beinsack-GZ tödlich verunglückt (vgl.Sicherheitsmitteilung des DHV). Weil mich der Gedanke nicht losläßt (und ich selber ein solches GZ verwende, bei dem ich das auch schon mal fast vergessen hätte), habe ich einen Lösungsvorschlag entwickelt und in Form eines herunterladbaren PDFs bereit gestellt. Der Aufwand für die nachträgliche Umrüstung liegt bei wenigen Cent, es muss nichts genäht werden – und Hersteller wie DHV sind auch schon informiert. Hier ist auch eine Fotostrecke zum Umbau (allerdings mit etwas Nähen, aber nicht an tragenden Teilen). Leider gehört auch dieser Hinweis dazu: der “Umbau” und die Verwendung erfolgt komplett auf eigene Verantwortung und eigenes Risiko (da allerdings nichts Tragendes verändert wird, hält sich letzteres in Grenzen).
 

Wie man ein Impress 2+ (oder ein ähnliches Gurtzeug) gegen Vergessen der Bein-/Brustgurte sichert (auch als PDF)

Das Problem: hier wurde nur das Cockpit eingehängt. Aus Sicht des Piloten ist nicht zu erkennen, dass die Beingurte noch offen sind (Abb.1). Auch ein zufällig hinschauender Kollege wird kaum sehen, dass das GetUp-System noch komplett im Beinsack hängt (Abb.2). Das Gurtzeug fühlt sich jedoch „geschlossen“ an.

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050658.JPG   Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050657.JPG

                                                         Abb.1                                                                                         Abb.2

Beim Start würde der Pilot bis zu den Achselhöhlen durchrutschen und später aus dem Gurtzeug fallen; schwerste Verletzungen oder der Tod wären die unvermeidliche Folge.

Wären die Beingurte zuerst geschlossen worden, gäbe es kein Problem. Die vordergründige Ursache ist also eine Fehlbedienung, die allerdings selbst dem Erfahrensten unterlaufen kann.

Möglich wird diese Fehlbedienung durch die direkte Verbindung des Karabiners zum Schließen von Cockpit & Beinsack mit dem Cockpit (Abb.3). Würde der Pilot Cockpit und Beinsack erst bei geschlossenem (oder wenigstens mal bewußt in die Hand genommenem) GetUp-System einhaken können, wäre die Gefahr praktisch ausgeschaltet.

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050661.JPG  Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050662.JPG

                                                               Abb.3a und 3b

Die folgende Anleitung zeigt, wie man diese konzeptuelle Schwäche durch Verlagern des Cockpit-Verschlußglieds zum GetUp-System beseitigen kann. Demonstriert wird der Umbau an einem Impress 2+ Liegegurtzeug aus dem Jahr 2010; prinzipiell ist er auf alle Gurtzeuge mit Beinsack und einer direkten Verschlußmöglichkeit dafür anwendbar. Das Grundprinzip: es darf keine direkte, vom GetUp-System unabhängige Möglichkeit verbleiben, Cockpit und Beinsack zu schließen.

Der Materialaufwand ist minimal (ca. 2-3 €). Benötigt werden:

·         ein kleiner Schlüsselring

·         ein großer Schlüsselring

·         ein Stück Gurtband von ca. 50cm Länge (hier wurde ein Leuchtband gewählt, um – wie später zu sehen ist – zusätzlich eine Kontrollmöglichkeit für Dritte zu schaffen)

·         ein dazu passendes Kunststoff-Verstellschloß (Abb.4)

Der Originalkarabiner wird, nicht zuletzt wegen seiner lastoptimierten Form, weiter verwendet.

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050692.JPG

                                                  Abb.4

Im Folgenden wurden alle Verbindungen vernäht. Grundsätzlich könnte auch ein geschlossenes, dünnes Gurtband (z.B. schmaleres Rolladenband), ein Gummizug o.ä. für die Verbindung zwischen Karabiner und GetUp-System verwendet werden, weil dieses Konstrukt keine Last aushalten muss, aber die empfohlene Materialkombination hat – wie man später sehen wird – besondere Vorteile.

Schritt 1: Modifikation des Cockpit-/Beinsackverschlusses

Hier ist es ratsam, die umgeschlagenen Gurtenden mit einem scharfen Messer aufzutrennen, den Originalkarabiner durch einen kleinen Schlüsselring zu ersetzen und die Verbindung wieder wie vorher – mit einer einzigen Bahn Zwirn - zu vernähen (Abb.5).

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050667.JPG

                                                  Abb.5 

Man bekommt zumindest das obere Gurtband auch so heraus, aber beim unteren wird es wegen der sehr engen Karabineröse eng.

Anschließend wird der große Schlüsselring in den kleinen gehängt (Abb.6).

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050670.JPG

                                                  Abb.6

2. Montage des Karabiners an das GetUp-System

Zunächst nehmen wir das Maß für die Breite der Lasche (Abb.7). Vernäht wird das Ganze frei; da sich der Brustgurt zu Wartungszwecken komplett öffnen lässt, kann die Lasche später einfach über ihn geschoben werden:

 

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050672.JPG

                                                  Abb.7

Das Gurtende wird doppelt umgeschlagen und zu einer geschlossenen Schlaufe vernäht (Abb.8).

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050673.JPG

                                                  Abb.8

Der Brustgurt wird geöffnet, die vernähte Schlaufe aufgeschoben und der Brustgurt wieder geschlossen (Abb.9).

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050676.JPG

                                                  Abb.9

Nun wird das Gurtzeug angezogen und das ungefähre (denn wir sehen eine Verstellmöglichkeit vor) Maß für den benötigten Abstand zum Karabiner genommen (Abb.10)

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050679.JPG

                                                  Abb.10

Anschließend wird die Verstellschnalle auf das neue Verbindungsband geschoben. Das Band wird passend abgeschnitten und (wie bei den Gurtbändern des Cockpits mit doppeltem Umlegen) abgenäht. Das war’s (Abb.11)!

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050680.JPG

                                                  Abb.11

Alternativ kann man das komplette Verbindungsband auch in den (in Flugrichtung gesehen) rechten Beingurt einschlaufen (Abb.12).

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050693.JPG  Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050694.JPG

                                                               Abb.12a und 3b

Das hat den Vorteil, dass im Flug der Blick aufs gesamte Cockpit frei bleibt (Abb.13) - sonst läuft das Leuchtband über die rechte Hälfte und stört den Blick.

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050695.JPG

                                                  Abb.13

Der Wechsel zwischen den beiden Befestigungsmöglichkeiten ist jederzeit möglich.

3. Verwenden des umgebauten Gurtzeugs

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050685.JPG  Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050687.JPG

a.       GetUp-System schließen                                    b. Cockpitkarabiner am GZ einhängen

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050690.JPG   Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050691.JPG

c.Cockpitring in Karabiner hängen                                                          d. Fertig!

4. Untersuchung der möglichen Fehlbedienung

Ein alleiniges Schließen des Cockpits (Fehlbedienung) ist jetzt nur noch sehr bewusst und mit einiger Mühe möglich. Erstens müssen hierzu alle drei Komponenten (Karabiner und die Ringe) in die Hand genommen werden, zweitens hängt dann das Gewicht der Beingurte in der Hand mit dem Karabiner. Ein Versehen ist ausgeschlossen. Außerdem sieht man nun sofort, was nicht stimmt, denn die Beingurte werden ins Blickfeld gezogen (Abb.14). Auch ein komplett offener Gurt fällt dank des Leuchtbandes eher auf (Abb.15)

Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050683.JPG  Beschreibung: Beschreibung: Beschreibung: K:\DCIM\105_PANA\P1050684.JPG

                      Abb.14                                                                                          Abb.15

5. Fazit

Aus Sicht des Piloten ist die Fehlerquelle „unbedachtes alleiniges Schließen des Cockpits/ Beinsacks“ ausgeschlossen worden. Nur ein ganz bewusstes Schließen gegen Widerstände ist noch möglich, wobei immer noch eine visuelle Kontrolle (auch für den Partnercheck) verbleibt.

Die Lastrichtung auf den Originalkarabiner ist dieselbe, weil sich dieser unter Zug automatisch wie zuvor ausrichtet. Die Schlüsselringe stellen theoretisch Schwachpunkte dar; in der Praxis ist das jedoch unerheblich, weil die rechte Öse des Originalverschlusses auch nicht stärker ist.

Das Prinzip „kein direktes Verschlußglied für Cockpit/Beinsack auf mehr als einer Seite“ ist auf viele Arten umsetzbar, wobei das Ergebnis immer dasselbe ist. So muss nicht unbedingt ein breites oder leuchtendes Band verwendet werden. Auch dessen Vernähen ist nicht nötig; Verknoten oder doppeltes Einschlaufen tut’s auch. Die Verstellmöglichkeit mittels Gurtschließe ist komfortabel, aber nicht zwingend.

Das hier gezeigte Vorgehen liefert jedoch bei geringem Aufwand (ca. 30 Minuten) ein besonders gutes Ergebnis.

Eine Anmerkung zum Schluß: beim Experiment in der GS-Aufhängung hat sich gezeigt, dass mit dieser Konstruktion sogar ein 80kg schwerer Pilot, der nur den in die Beinschlaufen geschlauften Cockpitkarabiner von links nach rechts (also erst Cockpit, dann GZ-Öse!) eingehängt hat, also die Beinschlaufen absichtlich immer noch nicht geschlossen hat, gegen ein Herausfallen gesichert wird und die Möglichkeit hat, sich – ausreichend Hangabstand vorausgesetzt – per Rückwärtsaufzug zurück ins GZ befördern kann! Das ist aber nur ein Einzelversuch und natürlich ohne jede Gewähr; Sinn derr Konstruktion ist und bleibt eine Sicherung gegen das Vergessen der Beingurte.

© 2011 Stefan Ungemach, Levelingstr. 94b, 85049 Ingolstadt

[Duddefliecher] Sicherheitskonzept

source: Duddefliecher

Der neue Sicherheitsbereich Drucken
sicherheitsbereich_1.jpgDie wichtigsten Fragen zum neuen Sicherheitsbereich – mit den dazugehörigen Antworten.  

Warum braucht unser Verein ein neues Sicherheitskonzept?  Der jüngste DHV-Sicherheitsbericht zeigt, dass es im letzten Jahr einen besorgniserregenden Anstieg der Unfälle gab. Einen ähnlichen Trend haben wir auch in unserem Verein festgestellt. Vereinsintern pflegen wir eine akkurate Unfallstatistik. Allein in den Duddefliecher Geländen passieren viele Unfälle, teilweise mit schweren Verletzungen. Es besteht Handlungsbedarf. Die entsprechende Statistik wird in Kürze im internen Bereich besprochen.  

Welche Maßnahmen wurden ergriffen?  Wir haben durch die Unfallanalyse festgestellt, dass man bei der Gruppe der Anfänger und Vereinsneulinge durch wenige Maßnahmen wirkungsvoll Unfälle verhindern kann. Daher haben wir uns vorerst auf diese Gruppe konzentriert. Hier wäre zum Beispiel die Patenschaftsregelung zu nennen, die in der Anfangs- und Erfahrungssammelphase freiwillig ist. Auch haben wir das Einweisungsverfahren optimiert, um dort eine gleichbleibende Qualität sicherzustellen. Mit Umsetzung dieser Maßnahmen rechnen wir bei den Anfängern und Geländeneulingen mit messbaren Erfolgen. 

Wie sieht es bei flugerfahrenen Piloten aus? Sind sie weniger gefährdet? Definitiv nicht. Die schweren Unfälle betreffen überwiegend erfahrene bzw. langjährige Piloten. Leider ist es hier besonders schwer, geeignete Maßnahmen zu finden. Einst erscheint uns jedoch sicher: Der Leistungsdruck, der in unserem Verein ziemlich verbreitet ist, muss raus. Dies liegt in ersten Linie in der Verantwortung jedes Piloten. Eine Änderung der Einstellung zum Gleitschirmfliegen ist die große Herausforderung der nächsten Jahre, nicht nur in unserem Verein. 

Gibt es Änderungen in der Gastfliegerregelung? Anhand der Erfahrungen der letzten Jahre haben wir Änderungen an die Gastflugregelung vorgenommen. Prioritäres Ziel ist der Schutz unserer Gäste. Außderdem wurden die Geländebeschreibungen überarbeitet und um Hinweise auf Unfallschwerpunkte ergänzt.  

Warum sammelt unsere Verein Informationen über Unfälle? Die DHV Statistik ist sehr wichtig, aber nicht ausreichend. Dort werden viele Unfälle einfach nicht gemeldet. Unsere vereinsinterne Statistik bietet eine sehr gute Ergänzung. Sie ist vollständig und bildet die Gefahren in unserem Fluggebiet ab. Es ist sehr wichtig, die Unfallmeldungen zu lesen (Unfallberichte) und alle Vorfälle inkl. Beinahunfälle, egal ob selbst betroffen oder nur Zeuge, ins anonyme Unfallmeldesystem einzutragen. Aus jedem Zwischenfall, auch wenn nichts passiert ist, kann jeder lernen. Eine gepflegte Unfallstatistik ist der erste Schritt in Richtung mehr Sicherheit. 

Wo finde ich Weiter Infos zum Thema Sicherheit in unserem Verein? Alle Infos sind in unseren Internetseiten zu finden. Dort findet ihr alle konkret umgesetzten Maßnahmen.  

http://www.duddefliecher.de/index.php/sicherheit/sicherheitsleitlinien 

Wir möchten mit dem neuen Sicherheitsgrundsätzen ein Umfeld schaffen, damit sich jeder konstruktiv und intensiv mit Sicherheit auseinandersetzen und sich selbst in diesem Bereich weiterentwickeln kann. Denn die eigene Sicherheit hängt fast ausschließlich vom eigenen Engagement ab. Sicherheit beim Fliegen ist nun oberstes Vereinsziel.  


Wir wünschen allen Vereinsmitgliedern und Gästen eine entspannte und unfallfreie Saison 2012.  (gg/sb)  

20110205

[1.PCS] Sicherheit bei airbag-protektoren


Hallo PCS-Freunde,

ich möchte Euch von meiner Erfahrung mit einem Airbag-Protektor berichten:

Mein Gurtzeug (SupAir X-Alps) weist seitlich einen etwa 5cm langen Riss auf, der von einer harten Landung stammen könnte (Quetschung).
Fiese Tatsache: Im Normalzustand fällt er nicht auf, da er nicht aufklafft.
Anfang des Jahres wird mir bewußt, dass der Airbag nicht doppelwandig ist und somit mein Airbag keine Stauwirkung mehr hat - im Ernstfall eines Aufpralls also nur kurz und wenig Wirkung hätte.
(Inzwischen ist er fachmännisch repariert worden...)

Meine Empfehlung:
Prüft bitte Eure Airbags auf Dichtheit (evtl.Druckprüfung) und schaut nach Auffälligkeiten an den Nähten. Airbags sind empfindlicher als Schaum-Protektoren.

Eine weitere Bitte:
Wer weitere Erkenntnisse zum Thema Sicherheit hat, die noch etwas unbekannter Natur sind, maile dies mir bitte.
Das wäre immerhin eine weitere Rundmail wert, von der wir alle profitieren könnten.

Grüße von

Wolfgang Arnold, Sicherheitsbeauftragter des 1.PCS